Spargel – Das königliche Gemüse

Etwas zur Geschichte und zu August HUCHEL (1889-1963)

Die noblen weißen Stangen sind bereits seit Menschengedenken wohlgeschätzte Delikatessen, wie Wandmalereien ägyptischer Königsgräber zeigen. Bei den alten Germanen dauerte es allerdings eine Weile, bis sie auf den Geschmack des Asparagus officinalis kamen, denn erst König Ludwig der XIV. belebte die Begeisterung für das feudale Gemüse.

Die Anfänge der Spargelzüchtung

(von Dr. J. Gottwald, Möringen)

Der Spargel (Asparagus officinalis L.) ist eine sehr alte Kulturpflanze. Schon in der Antike hatte er eine große Bedeutung. Er wurde zunächst nur als Heilpflanze, später jedoch vornehmlich als Gemüse genutzt. Während andere Gemüsearten, wie der Blumenkohl und die Erbsen, zu den ersten Spezies gehörten die schon früh mit Hilfe wissenschaftlicher Methoden züchterisch bearbeitet wurden, blieb der Spargel lange Zeit vernachlässigt. Sicherlich lag das daran, daß die Spargelpflanze mehrjährig ist und sich deshalb züchterische Erfolge nur in längeren Zeiträumen erzielen lassen. Überdies wird die Spargelzüchtung durch Zweihäusigkeit erschwert. Das bedeutet, daß sich die weiblichen und männlichen Blüten auf verschiedenen Pflanzen entwickeln und sich daraus eine obligate Fremdbefruchtung ergibt, die die Auslese von genetisch verbesserten Individuen unsicher macht.

Der Beginn einer systematischen Spargelzüchtung läßt sich erst auf den Anfang des 20 Jahrhunderts datieren. In Amerika war es NORTON (1913), der sich der Verbesserung der vorhandenen Landsorten annahm. Es verdient hervorgehoben zu werden, daß NORTON sich nicht nur um die Steigerung der Ernteerträge, sondern erfolgreich auch um die Erreichung einer genetischen Widerstandsfähigkeit gegen den Spargelrost (Puccinia asparagi De Cand ) bemühte. Ein Ergebnis seiner Arbeiten waren die beiden Sorten "Mary Washington" und "Martha Washington".

In Deutschland begannen fortschrittliche Gärtner vor ungefähr lOO Jahren mit züchterischen Versuchen beim Spargel. In Niedersachsen entstand aus der holländischen Sorte "Violetter Holländischer" die Landsorte "Ruhm von Braunschweig". In den gleichen Zusammenhang gehört Johannes BÖTTNER der Ältere, der in Brandenburg Anfang des 20 Jahrhunderts züchterische Arbeiten einleitete. BÖTTNER war Ökonomierat und hat sich auch bei anderen Gemüsearten um die Züchtung verdient gemacht. Nicht zuletzt ist der Schloßgartenmeister UNSELT zu erwähnen, der in Schwetzingen (Baden-Württemberg) mit Spargelzüchtung begann, die allerdings nur im begrenzten Umfeld dieses Züchtungsstandorts zur Geltung kam. Allgemein wurden damals in großen Spargelanbaugebieten wie im Braunschweiger Land oder auch in der Altmark Landsorten angebaut, die im günstigsten Falle von tüchtigen Gärtnern durch einfache Ausleseverfahren verbessert waren. Stets aber waren das Ergebnis Populationen mit großer Variationsbreite der Ertrags- und Qualitätseigenschaften. Anbauer und Konsumenten waren mit solchen Sorten nicht zufrieden und drängten zu wirksameren Veränderungen. Solche Forderungen wurden um so nachhaltiger erhoben, als eine aufstrebende Konservenindustrie auch von Spargel zunehmend größere Mengen und vor allem bessere Qualitäten zur Verarbeitung verlangte.

Dipl. agr. August HUCHEL aus Osterburg/Altmark erkannte frühzeitig, welche neuen Möglichkeiten eine gezielte Spargelzüchtung für den Anbau eröffnete und welche großen Reserven beim Spargel züchterisch noch zu erschließen waren. Ab 1926 bewirtschaftete er eigene Spargelanlagen in Osterburg. Hier begann er mit Untersuchungen zur Ertrags- und Qualitätsanalyse von Einzelpflanzen des Spargels, die von Fachkollegen zunächst belächelt wurden, bald aber das Interesse und die Unterstützung des Reichministeriums für Ernährung, Landwirtschaft sowie des Reichsverbandes des Deutschen Gartenbaus fanden. Zwischen 1926 und 1928 führte er an rund 1500 Spargelpflanzen der Landsorte "Ruhm von Braunschweig" Ertragsfeststellungen durch, aus deren Ergebnissen er für die Züchtung grundlegende Erkenntnisse ableiten konnte.

Insgesamt hatten die von HUCHEL erzielten und veröffentlichten Versuche weitreichende Konsequenzen für den Spargelanbau und die Spargelzüchtung in Deutschland. Am 12. August 1929 wurde unter HUCHELs Leitung die "Deutsche Spargelhochzuchtgesellschaft Osterburg/Altmark" gegründet, die wesentlich zur Verbesserung des Spargelanbaus in Deutschland beitrug.

Spargelzüchter Alfons Huchel

 August HUCHEL (1889-1963), ein Spargelzüchter aus der Altmark (Foto im Besitz der Tochter, Frau Jain, Bonn)

August HUCHEL (1889-1963), ein Spargelzüchter aus der Altmark
(Foto im Besitz der Tochter, Frau Jain, Bonn)

August HUCHEL wurde am 6.10.1889 in Stendal geboren. Nach Besuch der Schule und einer Präparandenanstalt studierte er am Königlich-Preußischen Lehrerseminar in Quedlinburg, wo er sicherlich auch die wirtschaftliche Bedeutung der Züchtung und des Samenbaus kennenlernte. Seine Tätigkeit als Lehrer wurde durch den 1. Weltkrieg unterbrochen, den er ab 1915 zuletzt als Jagdflieger erlebte. Nach der Eheschließung 1918 gab er seine Lehrertätigkeit auf und arbeitete auf dem Landwirtschaftsbetrieb seines Schwiegervaters Gagelmann in Osterburg. Dort kam er erstmalig mit dem Anbau von Spargel intensiver in Berührung. Von 1921-1924 studierte er Landwirtschaft in Halle/Sa und wurde nach dem Diplomexamen in der Biologischen Reichsanstalt in Berlin-Dahlem angestellt.